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Ökumenisches Friedensgebet am Freitag, dem 8. Mai 2020
(leider nicht in der Erlöserkirche und ausnahmsweise nicht am Donnerstag)

Begrüßung
Wir möchten mit Ihnen heute auf diesem Weg Friedensgebet halten. Leider können wir ja nicht wie gewohnt zusammenkommen. Heute wollen wir uns nicht so sehr mit Corona sondern mit dem Kriegsende vor 75 Jahren befassen.
Und da ist der 8. Mai ein besonderes Datum. An diesem Tag kapitulierte die Wehrmacht und die Waffen schwiegen. Die Menschen atmeten erleichtert auf. Kein Fliegeralarm mehr, kein Dröhnen am Himmel und keine krachenden Bombenexplosionen.
Aber war wirklich Frieden: Der Lebenskampf ging weiter. Viele hatten kein Dach mehr über dem Kopf, Flüchtlinge aus dem Osten standen ratlos in der Trümmerwüste und die Sinne der Menschen waren auf das nackte Überleben gerichtet.
Erst langsam kam etwas in Gang, was später Wirtschaftswunder genannt wurde.
Im Gedenken an diese Zeit sind wir auch in der Ferne zusammen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Liedvers EG 116, Kehrvers
Dass Gewalt, Krieg und Tod ein Ende hatten ist auch heute noch ein Grund, Gott dankbar zu sein und ihn zu loben und zu preisen:
Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod.
Sünd ist vergeben, Halleluja! Jesus bringt Leben, Halleluja!

Psalm EG 879 Versöhnungslitanei von Coventry
Sünd´ ist vergeben, lautet die Osterbotschaft. Damit ist nicht alles erledigt. Vergebung bedarf des Schuldbekenntnisses und der Bitte um Vergebung.
Beten wir die Versöhnungslitanei von Coventry, einer englischen Stadt, die 1940 durch deutsche Bomber zerstört wurde:
"Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten." (Röm 3,23)
Wir alle haben gesündigt und mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten. Darum lasst uns beten:
Vater, vergib! Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse:
Vater, vergib! Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker, zu besitzen, was nicht ihr eigen ist:
Vater, vergib! Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet:
Vater, vergib! Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen:
Vater, vergib! Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Heimatlosen und Flüchtlinge:
Vater, vergib! Den Rausch, der Leib und Leben zugrunde richtet:
Vater, vergib! Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf dich:
Vater, vergib! Lehre uns, o Herr, zu vergeben und uns vergeben zu lassen, dass wir miteinander und mit dir in Frieden leben.
Darum bitten wir um Christi willen.
»Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einem dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus." (Eph 4,32)
Liedvers EG 331,11
11. Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen; deine Treue zeige sich,
wie wir fest auf dich vertrauen. Auf dich hoffen wir allein: lass uns nicht verloren sein.

Lesung Johannes 20,19-20
19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

Auslegung
Friede sei mit euch – die Osterbotschaft des Auferstandenen. Eine Botschaft, die frohmacht. Und auch viele Menschen fühlten sich 1945 erleichtert, als die Waffen schwiegen. Aber Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg und Gewalt. Da trat damals schnell Ernüchterung ein. Schnell regierte das Recht des Stärkeren. Hamstern war an der Tagesordnung. Das kommt uns irgendwie bekannt vor, oder? Und Rechtsbruch, vor allem der Diebstahl griff um sich. Solidarität? Ellbogen ausfahren war angesagt, wenn man überleben wollte.
Flüchtlinge kamen, die zu Millionen aus dem Osten hereinströmten. Sie vergrößerten nur die Zahl der Notleidenden und waren alles andere als willkommen. Eine Haltung, die heute auch nicht ganz unbekannt ist. Wiederaufbau? Da war nicht dran zu denken. Experten schätzten seinerzeit die Zeit dafür auf fünfzig Jahre.
Solange wir Frieden mit irdischen Augen sehen, wird nichts vollkommen, sondern alles bruchstückhaft sein. Sehen wir aber Frieden mit den Augen des Auferstandenen, wird Frieden zu Schalom. Der jüdische Gelehrte Claude Montefiore definierte Schalom so: Es ist
„der Friede, der allein versöhnt und stärkt, der uns beruhigt und unser Gesichtsbild aufhellt, uns von Unrast und von der Knechtung durch unbefriedigte Gelüste frei macht, uns das Bewusstsein des Erreichten gibt, das Bewusstsein der Dauer, inmitten unserer eigenen Vergänglichkeit und der aller Äußerlichkeiten.“
Schalom ist also der umfassende Friede, der Freiheit von Angst, Zwängen und Begehrlichkeiten bedeutet und der zum ruhenden Pol im eigenen Leben wird. Ein solcher Friede kann nur von Gott kommen und Gott ist es, der ihn uns in Jesus zusagt.
Macht das die Welt mit einem Schlag friedlich? Der Auferstandene setzt „nur“ einen neuen Anfang. Er bringt Gottes Friede in diese zerrissene Welt. Und wer ihn annimmt, wann und wo und wie es auch immer sei, wird zum Friedenslicht. Und dieses Licht ist ansteckender als Corona und will sich in der ganzen Welt verbreiten.
Sie haben sicher gerade gedacht: Zu schön, um wahr zu sein oder Wer´s glaubt, wird selig. Sie haben recht. Wir verhängen sofort Kontaktsperren und schotten uns ab, so, dass das Friedenslicht in uns schnell wieder erstickt. Die Jünger waren damals auch nicht anders. Türen und Fenster waren verrammelt, damit nichts an sie herankam. Gott aber kennt keine Kontaktsperre und so leuchtet das Osterlicht mitten unter ihnen auf: Friede sei mit euch. Und mag die Angst noch so stark sein, mag Krankheit, Not und Tod noch so bedrohlich sein, das Friedenslicht ist stärker. Es durchbricht auch unsere Sperren, nach innen und nach außen. Mit seiner Hilfe kann das Licht in uns leuchten und die Herzen der Menschen wärmen, wenn wir die Erinnerung an seine Worte wachhalten: Friede sei mit euch! Amen.
Liedvers
Johann Sebastian Bach hat einen Choral geschaffen, der hilft, sich zu erinnern:
Jesus bleibet meine Freude, meines Herzens Trost und Saft,
Jesus wehret allem Leide, er ist meines Lebens Kraft,
meiner Augen Lust und Sonne, meiner Seele Schatz und Wonne;
darum lass ich Jesum nicht aus dem Herzen und Gesicht.[

Fürbitten Zwischentext nach EG 94 - Gebet aus dem Frauen-KZ Ravensbrück
Und aus der Freude über den tiefen Frieden Gottes, der mitten in Gewalt, Krieg und Tod unser Leben durchdringt, wollen wir Fürbitte halten. Lassen Sie uns das tun mit Worten von Menschen, die im 2. Weltkrieg diesen Frieden gefunden und für ihre Peiniger gebetet haben – den Menschen aus dem Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Lassen Sie es uns stellvertretend tun für all den Hass, die Gewalt und den Tod, die unsere Welt heute in ihrem Würgegriff halten:
Friede den Menschen, die bösen Willens sind, und ein Ende aller Rache
und allen Reden über Strafe und Züchtigung.
Die Grausamkeiten spotten allem je Dagewesenen,
sie überschreiten die Grenzen menschlichen Begreifens, und zahlreich sind die Märtyrer.
Daher, o Gott, wäge nicht ihre Leiden auf den Schalen Deiner Gerechtigkeit,
fordre nicht grausame Abrechnung, sondern schlage sie anders zu Buche:
Lass sie zugutekommen allen Henkern, Verrätern und Spionen und allen schlechten Menschen, und vergib ihnen um des Mutes und der Seelenkraft der andern willen.
All das Gute sollte zählen, nicht das Böse.
Und in der Erinnerung unserer Feinde sollten wir nicht als ihre Opfer weiterleben,
nicht als ihr Alptraum und grässliche Gespenster,
vielmehr ihnen zu Hilfe kommen, damit sie abstehen mögen von ihrem Wahn.
Nur dies allein wird ihnen abgefordert,
und dass wir, wenn alles vorbei sein wird, leben dürfen als Menschen unter Menschen,
und dass wieder Friede sein möge auf dieser armen Erde den Menschen, die guten Willens sind, und dass dieser Friede auch zu den andern komme. Amen.

Vaterunser
Wir beten gemeinsam: Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Ostersegen
Der Gott des Lichtes und des Lebens strahle leuchtend auf über uns.
Er lasse uns spüren das Feuer der Liebe und wärme unsere Herzen mit seiner Lebensglut,
damit wir erkennen seine Güte und seine Barmherzigkeit,
die überreich sind für jede und jeden von uns.
Er lasse uns aufstehen, wenn Leid unser Leben lähmt
und lasse uns seine Stimme hören, wenn er ruft: Ich will, dass du lebst. Das gewähre uns Gott, der für uns Licht ist am Tag und in der Nacht, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.



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