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Predigt zum Ewigkeitssonntag (22.11.2020)



Predigt am Ewigkeitssonntag (22. November 2020)
Pfarrer Dr. Christoph Weiling
 
Am letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem Ewigkeitssonntag, gedenken wir der Toten der vergangenen 12 Monate. Wir zünden Kerzen an – als Zeichen dafür, dass ihre Seelen nun Gottes Licht sehen werden.
 (Wenn Sie mögen, dann zünden Sie daheim jetzt eine Kerze für den Menschen an, den Sie verloren haben.) 
Im Licht der Kerzen wollen wir Trost und Stärkung erfahren. Dazu hören wir in diesem Jahr besonders auf die Worte des letzten Bibelbuches. In der Offenbarung, im 21. Kapitel, erzählt der Seher Johannes von einer wunderbaren Vision, die er auf einer abgelegenen Insel gehabt hat:
1 Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.
2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel steigen, bereitet wie eine Braut für ihren Mann.
3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.
4 Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!
Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
7 Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Kind sein.
 
Hier blickt einer weit hinüber. Er schaut, was auf der anderen Seite ist. Und hüllt sich darüber nicht in Schweigen.
Denn Glaube schweigt nicht an den Sterbebetten, schweigt nicht da, wo wir mit Sterben und Tod in Berührung kommen. Aus einem einfachen Grund: Glaube glaubt dem Gott, der wahrhaft Gott ist; in dem keine Nacht ist, sondern Licht; in dem kein Ende ist, sondern ein neuer Anfang: „Siehe, ich mache alles neu!“
Darum kann der Ehemann einer Verstorbenen sagen: „Ich weiß, dass wir uns wiedersehen.“ Darum kann eine Mutter sagen: „Mein Kind ist jetzt ein Engel.“ Darum kann eine Frau am Sarg ihres Mannes flüstern: „Bis bald!“
Johannes, der Seher, sieht den Gott vor sich, der den Tod nicht gelten lässt, sondern weiter erschafft, gestaltet, baut und gründet. Wenn Gott wirklich der Schöpfer ist, dann können die Visionen von ihm gar nicht kreativ genug sein. Dann müssen sie reden von einem neuen Himmel und einer neuen Erde, einem neuen Jerusalem und einer neuen Kreatur.
Gott ist freilich nicht der Erfüllungsgehilfe unserer Wünsche. Wenn er nicht jetzt und hier die Dinge nach unseren Wünschen wandelt, so irritiert uns das. Wenn er ein Gebet nicht erhört, so ficht uns das an. Aber unsere menschlichen Zweifel und Enttäuschungen können ihm nichts nehmen. Sie beweisen nichts. Sie können nicht verhindern, dass er einmal alles ganz neu macht.
Und wenn das geschieht, dann wird alles Vorherige, auch unsere Fragen und Sorgen, ganz klein und unbedeutend erscheinen. Dann wird auch der Verstand nicht mehr gegen das Herz streiten, denn alle unsere Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge geraten in ein neues Licht.  
Die Bibel möchte, dass wir Gott die Ehre geben. Gott die Ehre geben heißt: ihn lieben, achten und ehren; heißt: dem Menschen als Gottes Geschöpf manches zutrauen, Gott aber alles zutrauen.
Man kann Gott die Ehre geben durch wunderbare Kirchenbauten wie die Meister der Gotik. Man kann ihm die Ehre geben durch ein musikalisches „Halleluja“, so wie es Händel getan hat. Man kann ihm aber auch Ehre geben durch ein phantastisches Bild, so wie es der Seher Johannes tut.
Wie sehen unsere Visionen aus, liebe Gemeinde? Sind sie auch so bunt und farbig wie die Vision des Johannes?
Oder sind sie eher farblos und matt? 
Wir modernen Menschen sind zurückhaltend geworden. Wir können den Himmel, der über uns ist, nicht länger mit dem Himmel in eins setzen, in dem Gott wohnt.
Manchmal scheuen wir uns auch, zu unseren Visionen zu stehen, bloß weil wir denken, andere würden sie für Sinnestäuschungen und Trugbilder halten. Aber es gibt Dinge, die ins Grübeln bringen: wenn Menschen den Augenblick des Todes eines lieben Angehörigen spüren, auch wenn sie gerade nicht in der Nähe, sondern weit weg sind; das Gefühl, dass einer, der gerade gegangen ist, manchmal noch mit uns im Raum zu sein scheint. Da bleibt eine Uhr stehen, dort eine Tür oder ein Fenster offen: Kleinigkeiten, die man verstandesmäßig nicht erklären kann.
Wie schauen aber unsere Visionen von der Welt jenseits unserer Welt aus? Glauben wir wie Johannes an einen mächtigen Gott, dann müssten wir ebenso an eine wunderbare Verwandlung glauben, eine neue Schöpfung, eine Stadt aus Licht und Liebe. Wir würden überirdische Farben sehen und herrliche Landschaften.
Gott hat die Welt wunderbar erschaffen. Darum werden wir auch in der neuen Welt seine Schöpfung wiedererkennen. Manches wird uns vertraut sein. Aber vieles wird doch anders sein: es wird den Hass nicht mehr geben; die Gewalt wird nicht mehr da sein; es wird keine Kriege mehr geben. Auch Krankheiten und Leiden und Schmerzen werden ein Ende haben. Corona und Krebs – diese Geißeln unserer Zeit wird es definitiv nicht mehr geben. Auch keinen Islamismus mehr, keinen Terror, keinen Rassismus. Alles Denken und Fühlen wird stattdessen durchdrungen sein von Ruhe und von Frieden.
Aus diesen Visionen der Bibel können wir unsere eigenen Visionen entwickeln. Wir geben Gott die Ehre, indem wir ihm einen neuen Himmel und eine neue Erde zutrauen, in denen Gerechtigkeit wohnt. Wir geben ihm die Ehre, indem wir ihm zutrauen, dass ein Mensch, der stirbt, bei ihm zu neuem Leben erwachen wird. Wir trauen ihm zu, dass er uns durch den Tod hindurchführt und uns sein Licht sehen lässt. Wir trauen ihm zu, dass wir nicht mehr gebeugt und gedrückt sein werden, nicht mehr unvollkommen und fehlerhaft, sondern frei und erlöst. „Die Menschen werden sein wie die Engel“, verspricht kein Geringerer als Jesus selbst.
Alle Sorgen werden von uns fallen. Unsere Leiber, die ihren Dienst getan haben - schlecht oder recht -, werden wir nicht mehr brauchen. Wir werden aus der Quelle des Lebens trinken. Wir werden Gott ganz nah sein, ohne aber in seinem Licht zu verglühen. Wir werden seine Gedanken und Gefühle und Erinnerungen sein. Wir werden wie sein Sohn sein: als Gotteskinder eins mit ihm und eins mit allem anderen. Wir werden wie Gott sein: in allen Dingen, allgegenwärtig.
Unsere Verstandesbegriffe versagen. Selbst unsere Visionen reichen am Ende nicht mehr. Es lässt sich nicht in Worte fassen, was es heißt, mit Gott verbunden und mit allem eins zu sein.
Bleiben wir demütig! Gestehen wir uns ein, dass unser Menschengeist die ganze Fülle dessen, was sein wird, hier und jetzt noch nicht ermessen kann.
Und bleiben wir offen! Lassen wir uns überraschen!
Nur eines dürfen wir jetzt schon wissen: Gott meint es gut mit uns. Darum haben auch die es gut, die jetzt schon bei ihm sind. Amen. 
Lasst uns für unsere Verstorbenen zu beten:
 
Gott, des Lebens,
in deiner Gegenwart denken wir an die Toten.
Wie sie waren.
Wie sie gestorben sind.
Wo sie jetzt sind.
Wir sind traurig.
Wir bitten dich, Gott:
Komm zu uns und tröste uns.
Erinnere uns, Gott,
schreib es in unsere Herzen:
Die Toten sind bei dir.
Da haben sie es gut.

Amen.



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