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Predigt 2. Sonntag nach Christfest (10.02.2021)

Predigt zum 1. Sonntag nach Epiphanias (10.01.2021)
Pfarrer Dr. Christoph Weiling



Heute, zum ersten Sonntag nach Epiphanias, auch „Fest der Heiligen Drei Könige“ genannt, hören wir Worte des Apostels Paulus aus dem Brief an die Römer, aus Kapitel 12 die ersten Verse:



1 Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.

2 Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

6 Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß.

7 Hat jemand einen Dienst, so versehe er diesen Dienst. Ist jemand des Lehrens kundig, so lehre er.

8 Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.


Willkommen zum vernünftigen Gottesdienst! Denn es ist ja vernünftig, dass wir uns zurzeit nicht in großer Gemeinde treffen, keine Lieder miteinander singen und der Predigt auf Abstand von daheim lesen ...
Aber ist es wirklich so gemeint mit dem "vernünftigen Gottesdienst"? Auf jeden Fall eine merkwürdige Begriffsfolge. Doch Paulus, der diese beiden Worte zusammenfügt, hat gewiss nicht unsere Situation vor Augen. Warum soll man damals die Nähe untereinander meiden? Warum nicht singen? Und an digitale Möglichkeiten der Verkündigung ist noch nicht einmal im Traum zu denken. Aber auch die uns gewohnte Art der Gottesdienste ist ja noch unbekannt. Das muss man sich einmal vor Augen führen: Es gibt noch keine Orgel, keinen Chor, kein Glockengeläut. Wenn sich die jungen Gemeinden damals - um das Jahr 60 - versammeln, so treffen sie sich nicht in Tempeln oder Kirchen, sondern privat in den Häusern. Man hält also Hausandachten. Und die Leitung bei dieser Andacht geht reihum. Es gibt noch keine geweihten Priester, noch keine Kirchenleitung, keine Seilschaften und festen Plätze, sondern eine Fülle von Gaben und Diensten, "mancherlei Gaben" eben, die bunt und vielfältig eingebracht werden.
"Gebt euren Leib hin als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei", schreibt Paulus der Gemeinde. Paulus redet von einem "lebendigen Opfer". Damit stellt er sich gegen den damaligen Opferkult, in dem Gott Räucherwerk oder sogar Tiere dargebracht wurden, in der Hoffnung, Gott dadurch gnädig zu stimmen. Das war für ihn ein unvernünftiger Gottesdienst, ein Götzendienst, ein irrationaler Aberglaube. Ja, alles ist falscher Gottesdienst und Abgötterei, was darauf aus ist, Gott zu haben und in die Hand zu bekommen. Das gilt bis heute. Gott ist größer. Er lässt sich nicht manipulieren.
Christen sollen stattdessen sich selbst lebendig und dem Leben zugewandt in Gottes Dienst hineinstellen, sich den Aufgaben und Herausforderungen des Lebens stellen. Dies ist – so Paulus – die einzig angemessene, sachgemäße und damit logische Gottesverehrung. An einem solchen lebendigen Opfer hat Gott Wohlgefallen, weil es den Menschen hilft und Gott ehrt.
Wenn der Apostel vom Leib spricht, meint er immer den ganzen Menschen, Geist und Körper, den Menschen in seinem Gegenüber zu Gott mit all seinen Lebensäußerungen, seine Beziehungen zum Mitmenschen und zu dieser Welt. Also können wir übersetzen: "Bringt euch mit eurer ganzen Person ein, wo ihr gebraucht werdet! Geht aufeinander zu, seht zu, wo ihr selber mit anpacken könnt; seht, wo ihr Gutes tun könnt!"
Der Aufruf des Apostels: "Stellt euch nicht dieser Welt gleich" ist in der Geschichte der Kirche leider immer wieder missverstanden worden. Paulus ruft hier keinesfalls zur Weltflucht auf, er predigt keinen Rückzug in eine religiöse Innerlichkeit oder gar in die Klosterzelle. Sein Ruf gilt vielmehr der ständigen Überprüfung unseres Denkens und unserer Gesinnung – "damit" – so Paulus – "ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene". Dieser Dreiklang soll unsere Welt erfüllen und die Herzen der Menschen berühren.
Fehlt noch der Hinweis, warum der Apostel Paulus so leidenschaftlich die Christen aufrufen kann, sich dieser Welt mit Leib und Seele zu stellen, dem Willen Gottes nachzudenken und sich mit ihrer ganzen Lebendigkeit einzubringen. Der Grund ist schon gleich am Anfang genannt und ist die Barmherzigkeit Gottes: "Ich ermahne euch nun, liebe Schwestern und Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes…" Im griechischen Urtext steht für "Barmherzigkeit" der Plural, Grund sind die "Barmherzigkeitserweise" Gottes, also wie er immer wieder aufbauend und helfend am Menschen handelt. Paulus will sagen: "Wir sind, was wir sind, durch die Erbarmungen Gottes."
Wir Christen haben wie Jesus in der Taufe Gottes heiligen Geist empfangen; und dieser beginnt uns zu durchdringen mit seinen mannigfachen Gaben und will mehr und mehr unser ganzes Leben erfüllen.
Das wirft Fragen auf über die Art, wie wir leben: Leben wir leidenschaftlich und hingebungsvoll? Oder leben wir mehr "so dahin", getrieben von den Forderungen und Anforderungen, die die Welt und andere Leute an uns stellen?
Kennen wir unsere Begabungen? Wissen wir, wann in uns etwas besonders zum Klingen kommt, wodurch wir besonders lebendig werden und uns die Arbeit leichtfällt? Nutzen wir diese Begabung? Oder lassen wir sie verkümmern, um anderes, vermeintlich Wichtiges zu tun?
"Vernünftiger Gottesdienst" - das hat also nichts mit Online-Andachten in schwierigen Zeiten zu tun, sondern kreist um die Frage: Wofür leben wir eigentlich? Lassen wir wirklich Gott in uns lebendig werden? Geben wir ihm Raum in uns, im Reden, Denken und Tun? Ist im Alltag Zeit vorhanden zur Besinnung und zum Hören auf die Stimme des Gewissens?
Der "vernünftige Gottesdienst" ist keinesfalls nur auf die eine Stunde am Sonntagmorgen beschränkt, die wir üblicherweise mit dem Begriff "Gottesdienst" oder "Kirchgang" verbinden. Zum "vernünftigen Gottesdienst" zählen vielmehr auch das Tischgebet und das Abendgebet - als Momente, vor Gott innezuhalten, ihn zu erkennen und ihm zu danken. Unseren Gottesdienst sollen wir im Alltag der Welt fortsetzen, indem wir uns jeden Tag an Gott orientieren. Deswegen ist nicht nur der besondere gottesdienstliche Ritus am Sonntag Dienst an Gott, sondern auch die Nächstenliebe. Alles, was dem Schwachen dient oder den solidarischen Gemeinsinn fördert, ist Dienst an Gott, bezeugt seinen Willen der Welt. Martin Luther sagte einmal: "Wenn ein jeder seinem Nächsten diente, dann wäre die ganze Welt voll Gottesdienst". (Predigt vom 29.09.1532; WA 36, 340)
Gott hat uns sein Herz zugewandt. Das muss uns mit Gnade und Freundlichkeit erfüllen. So dass dann die logische Folge ist, dass wir Gott am besten dienen und entsprechen, indem wir unsererseits Gnade und Freundlichkeit verbreiten. Ich finde, dazu passt die Jahreslosung für 2021 ganz vortrefflich, aus dem Lukasevangelium Kap. 6, Vers 36: "Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, so wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist."
Eine kleine Geschichte will ich noch anfügen, die deutlich macht, dass diese Barmherzigkeit ruhig auch gegen einen selbst gerichtet sein darf – und auch dies Gott wohlgefällig dann ist:
"Ein alter rechtschaffener Mönch spürte seine letzten Tage kommen und machte sich auf, Gott entgegenzugehen. Als er zum Himmelstor kam, pochte er erwartungsvoll gegen die mächtige Tür, aber sie blieb verschlossen. Traurig ging er ins Kloster zurück und nahm sich vor: Du musst noch strenger fasten, noch intensiver beten und noch länger schweigen!
Abgehärmt ging er ein Jahr später wieder den steilen Weg zum Himmel hinauf und klopfte. - Nichts rührte sich. "Was habe ich falsch gemacht?" dachte er. "Vielleicht, weil ich immer abgeschieden in meinen vier Wänden war und keinen einzigen Menschen bekehrt habe?" Jetzt zog er in unermüdlicher Verbissenheit von einem Marktplatz zum anderen, und sobald er auf Menschen traf, predigte er: "Kehrt um! Ändert euch! Tut Buße! Sonst könnt ihr dem Strafgericht Gottes nicht entfliehen!" - In froher Erwartung kehrte er nach einem Jahr zum Himmelstor zurück, sicher, jetzt eingelassen zu werden. Er schlug gegen die Pforte und erbleichte, denn nichts regte sich.
"Ach", schoss es ihm durch den Kopf, "ich habe ja immer nur gepredigt und habe den Dienst am Nächsten vernachlässigt." Und er ließ sich in einem Krankenhaus als Krankenpfleger einstellen. Mit aller Zärtlichkeit, die seinen Händen geblieben war, wusch und pflegte er mit eisernem Willen ein Jahr lang die Kranken. - Dann schritt er voller Hoffnung den Berg hinan. Er klopfte, klopfte lauter - doch nichts rührte sich.
Traurig und enttäuscht setzte er sich neben das Tor. Er konnte nicht mehr. Da rief ihn die Stimme eines Kindes: "Komm, hilf mir", rief es aus einem Sandberg, "ich will hier einen Tunnel bauen, aber alles bricht immer wieder zusammen." Er freute sich über die Zuneigung des Kindes, das ihn, den alten Mann, rief, und selbstvergessen begann er mit dem Kind zu spielen. Er vergaß all seine Anstrengung und Verbissenheit, das Richtige zu tun - bis das Kind rief: "Schau mal, wie schön!" Da schaute er mit dem Kind zusammen in den feurig roten Sonnenball, der am Horizont ins Meer sank und dachte: "Ja, Gott, deine Welt ist so schön!" Und er spürte, wie sein Herz ganz weit wurde voller Dankbarkeit.
Da knarrte die Himmelstür in den Angeln und öffnete sich, unser Mönch wusste, dass er jetzt eintreten durfte und hörte die Worte Jesu: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist."

Amen.



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