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Predigt zum 13. Sonntag nch Trinitatis (29.08.2021

“Von Gott Liebe lernen” - Predigt zum 13. Sonntag nach Trinitatis (29.08.2021)
Pfarrer Dr. Christoph Weiling



Ich lege den Bibeltext aus dem Johannesbrief für den heutigen Sonntag zugrunde (1. Joh. 4,7-12):

7 Ihr Lieben, lasst uns einander liebhaben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott.

8 Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.

9 Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.

10 Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.

11 Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.

12 Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.



In einem Tauflied heißt es: "Eh wir entscheiden Ja und Nein, / gilt schon für uns: gerettet sein. / Dank sei dir, dass das Heil der Welt / nicht mit uns selber steht und fällt." (EG 211)

Eine Kindertaufe ist eigentlich die beste Auslegung unseres Predigttextes: Gottes Liebe kommt uns entgegen! Noch eh wir Gott geliebt haben, liebt er uns schon und hat uns dazu seinen Sohn auf diese Welt geschickt. In der Taufe bekommen Kinder eben diese Liebe zugesprochen und zugeeignet, besiegelt durch das Wasser der Taufe. Bekommen auf diese Weise gesagt: "Gott liebt dich, noch bevor du dich für ihn entscheiden kannst. Einfach nur so bist du von Gott geliebt."

Unser Bibeltext sagt ohne Umschweife: Es macht Gottes Wesen aus, dass er uns einfach so liebt. Es ist keine Augenblickslaune, kein bloßes Gefühl, sondern tief, aufrichtig, beständig. Jesus hat diese Liebe vorgelebt. Und Gottes guter Geist, den man auch den Heiligen Geist nennt, er ist nichts anderes als diese aufrichtige und beständige Liebe, die sich in unser Herz ergießt. Wir müssen uns Gottes Liebe nicht verdienen und erarbeiten; sondern wir sind von Gott geliebt, weil Gott uns lieben will. Ist das nicht ein schönes Gefühl: Du bist geliebt! Was wäre unser Leben ohne solches Grundvertrauen?

Jedoch heißt es in unserem Bibeltext auch: Wer nicht liebt, kennt Gott nicht. Das bedeutet: Gottes Liebe ist keine Einbahnstraße. Wenn es stimmt, dass Gott Liebe ist - und davon bin ich überzeugt -, dann passen Lieblosigkeit und Selbstsucht nicht zu ihm. Wer von Gottes Liebe angerührt ist, kann diese Liebe nicht für sich behalten.

Ein dänischer Dichter hat einmal gesagt: Mit der Liebe Gottes und der Liebe zum Nächsten verhält es sich wie mit zwei Türen, die sich nur gleichzeitig öffnen und schließen lassen. Öffnet sich die eine, geht auch die andere mit auf. Schließt sich aber die andere, dann schließt sich auch die erste mit. [1]

Mit anderen Worten: Wer dem Mitmenschen die Tür vor der Nase zuschlägt, sein Herz verschließt, der verschließt sich damit auch vor Gott. Wer sein Herz vor seinem bekümmerten Mitmenschen versperrt, sperrt gleichzeitig Gott aus. Vielleicht kommt Gott noch als ein Gegenstand irgendwo in seinem Denken vor, aber in seinem Herzen hat er ihn dann verloren. Aber man kann auch positiv sagen: Wer sich seinem Nächsten zuwendet, der lässt auch Gott zum Zuge kommen. Wo immer echte Liebe ist, ist Gott selbst gegenwärtig, lebendig und wirksam. [2]

Eben weil Gott uns liebt, möchte er, dass auch wir lieben. Dass wir ihn lieben von ganzem Herzen und mit aller Kraft - und dass wir einander lieben. So steht es schon im Alten Testament (5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18).

Doch lieben und Liebe zeigen, den anderen Liebe spüren und erkennen lassen - wie machen wir das eigentlich?

Dazu möchte ich ein paar Beispiele geben. Am einfachsten ist es vielleicht, wenn wir unsere Liebe mit unseren Worten weitergeben. Gute Eltern wissen, wie wichtig es für ihre Kinder ist, wenn sie Lob und Anerkennung bekommen. Es tut gut, gesagt zu bekommen: "Das hast du toll gemacht! Das ist dir gut gelungen!"

Worte können aber auch verstören und Böses bewirken. Man muss sehr vorsichtig mit seiner Zunge sein, denn einmal Gesagtes lässt sich nicht wieder zurücknehmen. Worte können hart, schroff und verletzend sein. Aber Schweigen ist auch lieblos, denn gute, aufbauende Worte machen lebendig. Sie ermutigen und lassen unser Herz fröhlich werden. Übrigens tut es auch unserer Beziehung zu Gott gut, wenn wir ihn loben und preisen. Die Psalmen der Bibel leihen uns wunderbare Worte, wie wir Gott für die Pracht und Schönheit seiner Schöpfung danken können.

Liebe ist aber nicht nur ein Wort! Die Bibel mahnt an einer Stelle sogar sehr deutlich, dass wir nicht nur mit Worten lieben sollen, sondern auch mit Taten (1. Joh. 3,18). Sonst wird man nicht erkennen, wie aufrichtig unsere Liebe ist.

Eine erste Tat wäre ganz einfach: sich ganz bewusst Zeit für den anderen nehmen. Zeit, die dem Partner oder auch dem Kind zu verstehen gibt: "Ich bin jetzt nur für dich da! Ich will dir guttun, indem ich nur für dich da bin!" Sich Zeit für sein Kind nehmen, um mit ihm zu kuscheln und zu spielen, das ist ein Ausdruck der Liebe. Heutzutage bedeutet sich Zeit nehmen wohl auch, das Handy einmal auszuschalten und wegzulegen. Ich lasse mich nicht ablenken. Ich nehme mir Zeit. Das ist ein fundamentaler Ausdruck der Liebe.

Natürlich kann ich nicht nur Zeit schenken, sondern auch Geschenke im eigentlichen Sinn machen. Man sieht besonders bei Kindern, was Geschenke bewirken: Da jauchzt das Herz; das fröhliche Kinderlachen lässt auch uns Erwachsene mitlachen. Geschenke festigen die Beziehung zueinander. Wer etwas schenkt, der liebt. Es muss allerdings ein persönliches Geschenk sein. Es muss erkennen lassen, dass der Mensch mir wichtig ist, den ich beschenke, dass ich wirklich an ihn gedacht habe. Darum sind vielleicht die schönsten Geschenke nicht jene, die besonders viel Geld gekostet haben, sondern jene, bei denen viele liebevolle Gedanken bereits miteingeflossen sind beim Basteln oder beim Backen oder beim Verpacken.

Doch Liebe ist mehr als nur der eine schöne, romantische Moment. Echte Liebe hat Hand und Fuß und bewährt sich auch im Alltag. Davon erzählt etwa das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Lk. 10,25-37). Da bleibt es nicht beim spontanen Mitgefühl, welches freilich die Triebfeder ist, sondern da wird ganz praktisch Erste Hilfe geleistet, ein Krankentransport organisiert und ausreichende Pflege bis zur Genesung in Auftrag gegeben.

Martin Luther hat einmal in seiner unnachahmlichen Art gesagt, dass es auch ein Gottesdienst ist, der sogar alle Heiligkeit übertrifft, wenn man kocht, spült, kehrt oder andere Hausarbeit tut. [3]

So praktisch hat er gedacht. Und so einfach und praktisch ist Liebe: für den anderen kochen oder auch miteinander kochen. Oder auch mit dem anderen gemeinsam aufräumen und putzen. Liebe ist jede Mühe wert! In jenen Familien geht es besonders liebevoll zu, in denen die Aufgaben den jeweiligen Fähigkeiten entsprechend auf alle aufgeteilt sind: das Tische-Decken, das Spülen, das Rausbringen des Mülls, das Saugen der Teppiche. Liebe drückt sich oft durch scheinbar selbstverständliche Dinge aus. Wer liebt, der wird dies aber auch sehr dankbar wahrnehmen und eben nicht als selbstverständlich achten.

Der Alltag ist jedoch auch der Prüfstein echter Liebe. Denn es gibt auch eine Liebe, die berechnend ist, auf Gegenleistung setzt oder den Blick vornehmlich darauf gerichtet hat, wie man denn beim anderen ankommt. Eine solche Liebe entspricht nicht der Liebe Gottes, sondern ist eine - oft gut getarnte - Selbstliebe. Diese fragt nicht, was für den anderen das jeweils Beste ist, sondern was für einen selbst das Beste ist. Martin Luther hat solche Liebe als "Scheinliebe" entlarvt. Sie ist - möchte ich behaupten - fast jedes Mal der Grund, wenn eine Beziehung scheitert, Ehen zerbrechen oder auch Kinderseelen nicht zur Entfaltung kommen. Gerade die Liebe Gottes, von der die Bibel in wunderbaren Geschichten erzählt, lässt uns den Unterschied gut erkennen.

Sie möchte und wünscht sich Gegenliebe, ja! Aber sie setzt Gegenliebe nicht voraus. Sie stellt keine Vorbedingungen. Und sie ist unkündbar.

So liebt Gott. So liebt er auch in der Taufe, nimmt die Kinder an und sagt ihnen zu, wie lieb und teuer sie ihm sind. Obwohl sie noch so klein sind und in diesem Moment noch nicht das Geringste als Gegenleistung darbringen können.

Von seiner Liebe lernen heißt wahrhaft lieben lernen. Es steht nirgends, dass das immer einfach ist. Aber es ist beglückend. Und wo es einmal schwierig wird, da können wir von Gottes Liebe auch das lernen: Die Kunst der Versöhnung. Denn auch darin ist Gott groß und auch dabei tut er den ersten Schritt. Gottseidank!

Amen.



Anmerkungen:

[1] "Den som seer sin Broder lide Nød og lukker sit Hjerte – ja han lukker med det Samme ogsaa Gud ude. Det er med Kjerlighed til Gud og Kjerlighed til Næsten som med to Dørre, der paa een Gang gaae op, saa det er umuligt at lukke den ene op uden ogsaa at lukke den anden op, og umuligt at lukke den ene uden tillige at lukke den anden." (Journalen NB22:117 von 1851, SKS 24, 165, 9) Dt.: "Wer seinen Bruder Not leiden sieht und sein Herz verschließt – ja, er schließt gleichzeitig Gott aus. Es ist mit der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten wie mit zwei Türen, die auf einmal aufgehen, so dass es unmöglich ist, die eine aufzuschließen, ohne auch die andere aufzuschließen; auch ist es unmöglich, die eine zu verschließen, ohne auch die andere zu verschließen."



[2] Claus-Peter März dichtet: "Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt / und die Not, die wir lindern, zur Freude wird, / dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, / dann wohnt er schon in unserer Welt. / Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht / in der Liebe, die alles umfängt, / in der Liebe, die alles umfängt." (EG 667)



[3] Predigt am 15.S.n.Tr. 1532: "Wiberumb ist es ein seer geringes ding, das ein Magd im hauß kochet, spület, bettet, keret und ander hauß arbeyt thut. Aber weyl der befelh Gottes da ist, so kan solches geringes werck anders nicht denn ein Gottes dienst gerhümet werden und ubertrifft weyt aller Münch und Nonnen heyligkeyt und hartes leben." (WA 52, 470)



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