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Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis (18.07.2021)
Pfarrer Dr. Christoph Weiling
 
Der für heute vorgeschlagene Predigttext war früher nur im Kindergottesdienst gelesen worden. Er steht im 1. Buch der Könige im 17. Kapitel: 
7 Zu jener Zeit war kein Regen mehr im Lande und alle Bäche fielen trocken.
8 Da kam das Wort des HERRN zu dem Propheten Elia:
9 Mache dich auf und geh nach Sarepta, das bei Sidon in Phönizien liegt, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dich zu versorgen.
10 Und er machte sich auf und ging nach Sarepta. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf. Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke!
11 Und als sie hinging es zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch ein bisschen Brot mit!
12 Sie sprach: So wahr der HERR, dein Gott, lebt: ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein paar Scheite Holz aufgelesen und gehe heim und will mir und meinem Sohn zurichten, dass wir unsere letzte Mahlzeit essen - und danach an Hunger sterben.
13 Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach's, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir's heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen.
14 Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden.
15 Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag.
16 Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Worte des HERRN, das er durch Elia geredet hatte.
 
Liebe Gemeinde!
Übereinander geworfene Autos, überflutete Häuser, zerstörte Wohnungen und Existenzen: von Dienstag bis Donnerstag hat es nahezu ununterbrochen geregnet, an manchen Orten in wenigen Stunden so viel wie sonst in zwei Monaten. Besonders an unseren Flüssen, Lenne, Volme, Ruhr, Wupper, Ahr, erreichten die Wassermassen katastrophale Ausmaße. Und da soll man über eine Dürre predigen?
Zudem klingt die ganze Geschichte verdächtig nach einem Märchen. Was von Elia und der Witwe erzählt wird, hat etwas von den Gebrüdern Grimm. Ein Zaubertöpfchen gegen den Hunger. Und das Gute obsiegt. „Und wenn sie nicht gestorben sind…“
Aber Märchen enthalten bekanntlich auch Wahrheiten. Da werden in kindgerechter Form Menschheitserfahrung und Weisheiten weitererzählt und so von Generation zu Generation weitergegeben.
Anders als im Märchen spielt in der Bibel Gott selbst eine Rolle. Und anstelle des Märchenprinzen tritt ein eifernder Prophet ins Rampenlicht.
Der hatte den Mächtigen gesagt, was von Gott aus zu sagen war gegen Machtmissbrauch und Abgötterei - und musste dann fliehen vor dem Zorn des Herrscherpaares. Vor Ahab und Isebel. Kurz hatte er sich an einem Bach versteckt, wurde dort von Rabenvögeln mit Essen versorgt – noch so ein märchenhafter Zug. Dann aber eben die Dürre:  Der Bach vertrocknet. Elia hat Durst. Und Elia geht weg. Auf Befehl des Herrn zwar, aber ausgerechnet in das damalige Phönizien führt ihn seine Migration.
Und dort, jenseits der Grenzen der Nation und der Religion, ist er eben nicht mehr unter Seinesgleichen. Er stößt auf eine arme Witwe, gebeutelt von der Dürre, die auch dort in Phönizien wütet, dem heutigen Libanon, und bittet um Essen und Trinken. Was heißt: bittet? Er fordert schon recht nachdrücklich!
Und die Frau, die nichts hat außer einen mickrigen Rest, der noch nicht einmal für ihr Kindlein reicht – sie teilt das letzte Bisschen, was sie hat. Rational eigentlich unbegreiflich, aber zutiefst menschlich. Und damit wird sie nun für uns maßgeblicher als der Prophet: Sie steht gleichsam am Rande des Abgrunds - und kann nur darauf vertrauen, dass da eine ihr noch unbekannte Macht sie irgendwie doch - gegen alle Erfahrung und gegen alle Vernunft - tragen und retten wird. Aber sie ist bereit! Sie wagt es.
Und das, was dann geschieht, wird für sie und ihren Sohn zur Quelle neuen Lebens, das die Dürre aushält und überwindet: Der Krug versiegt nicht, das Mehl geht nicht aus.
Wir wissen aus eigenen Alltagserfahrungen, dass unsere Geschichten leider nicht immer so heil ausgehen. In vielen Ländern versiegen die Flüsse - und das Mehl im Topf geht zur Neige: Auf Madagaskar ist fast die Hälfte aller Kinder unterernährt. 90 % der früheren Waldflächen sind bereits abgeholzt. Das einstige Naturparadies ist akut bedroht. Im Nordwesten Amerikas herrscht eine Rekorddürre, als ob eine gewaltige Hitzebombe abgeworfen worden wäre. In Russland brennt die Taiga auf einer Fläche in der Größe ganz Luxemburgs. Und vor der eigenen Tür eben das gerade Gegenteil: Bäche werden zu reißenden Flüssen. Häuser, Fabriken, Brücken werden überflutet. Das Wasser, andernorts nötig als Wasser des Lebens, wird zur Todesmacht, zum Wasser des Todes. Nicht einmal vor Kirchen macht es halt!
Das macht erst einmal sprachlos. Das Leid der Menschen treibt Tränen in die Augen. Viele sind noch vermisst. Und ganz viele wissen derzeit einfach nicht, wie es weitergehen soll. Gewiss, Hilfe ist unterwegs. Und es ist auch angebracht, ohne Unterlass zu beten. Aber wir können das Ganze in größere Zusammenhänge einordnen. Und da ist zu sagen: Gegen den Klimawandel kann man nicht einfach nur anbeten und anhoffen, dass er bald vorübergehe. Da ist mehr gefragt!
Dennoch, so sehr uns das alles wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt – die Bibel hilft die Augen offenzuhalten auch für das Unerwartete. Gott sprengt jedes Schema! Da muss ein frommer Gottesmann aus der Heimat fliehen und findet Herberge ausgerechnet bei Andersgläubigen. Da kehrt ein fremder Mann bei einer mittellosen Witwe und ihrem kleinen Jungen ein – und wird trotzdem versorgt. Da teilen Menschen das Letzte miteinander und überleben die Hungersnot.
Was anders soll man dazu sagen als dies: Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!
Auch jetzt: Die Menschen sind sehr solidarisch miteinander. Sie teilen auch die Not der Flut. Für jene, die keine Wohnung mehr haben, werden Unterkünfte gefunden. Man hilft einander, den nassen Keller leer zu schippen. Im Rahmen der Nachbarschaftshilfe geht man sich zur Hand und beseitigt Sperrmüll und Unrat. Die Koordinierung der Hilfsangebote übernimmt bei uns in Hagen die Freiwilligenzentrale. Rettungskräfte leisten Großartiges über viele Stunden hinweg. Bis zur Erschöpfung halten sie aus. Menschen kommen spontan zusammen und tun was sie können.
Wahrlich: Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!
Amen.



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