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Predigt zum Gründonnerstag 2021

Predigt zum Gründonnerstag (01.04.2021)
Pfarrer Dr. Christoph Weiling
Wir lesen Matthäus Kap. 26, Verse 17-20 und 26-30:
17 Aber am ersten Tag der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten?
18 Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passamahl halten mit meinen Jüngern.
19 Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm.
20 Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen.
26 Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.
27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus;
28 das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.
29 Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.
30 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.
 
Das ist der Bericht über die Einsetzung des Abendmahls nach dem Evangelisten Matthäus. Wir erinnern uns in jedem Jahr am Gründonnerstag daran. Nun leider schon zum zweiten Mal, ohne dass wir das Erinnern auch mit Leben füllen könnten! Denn in Zeiten der Pandemie entfallen die Gottesdienste in der Kirche. Wo sie stattfinden, wird aus Gründen der Vorsicht von der Feier des Abendmahls abgeraten. Zumindest das Trinken aus dem gemeinsamen Kelch soll unterlassen werden.
Das ist bedauerlich, wenn auch für diese besondere Zeit wohl kaum vermeidbar. Dabei ist ja das Abendmahl ein Erinnern nicht nur durch gedankliches Nachbesinnen, sondern vor allem ein Erinnern durch wiederholendes Tun. Erst durch das Tun - durch das gemeinsame Essen und Trinken - wird die Erinnerung so lebendig, dass Vergangenes neu gegenwärtig wird. Das christliche Abendmahl knüpft dabei seinerseits an ein Erinnerungsmahl an. Davon ist gleich zu Beginn des Berichtes die Rede: Es ist der Tag der Ungesäuerten Brote; Jesus hält mit seinen Jüngern das Passamahl.
Es lohnt, dazu etwas auszuholen: Das Fest erinnert an den Auszug Israels aus Ägypten. Die Nacherzählung dieses Geschehens steht im Mittelpunkt der Feier. Nachdem am Tempel die Opferlämmer geschlachtet worden sind, wird nach Eintritt der Dunkelheit das häusliche Mahl eingenommen. Der Familienvater spricht den Segen über den ersten Becher Wein, der dann herumgeht und von allen geleert wird. Danach kommen Fladenbrote, Kräuter, Fruchtmus und das gebratene Lamm auf den Tisch, dazu ein Schälchen mit Salzwasser und ein zweiter Weinbecher. Die Mahlbestandteile vergegenwärtigen die Befreiung. Das Lamm führt vor Augen, wie Gott die Häuser der Ahnen verschonte. Die Bitterkräuter lassen schmecken, wie die Sklaverei das Leben verbittert hatte. Die ungesäuerten Brote erinnern an die Plötzlichkeit des Aufbruchs. Die am Passamahl Teilnehmenden fühlen dadurch mit den ersten Israeliten mit und loben Gott auch ihrerseits mit Psalmen und Dankgebeten für seine erlösende Tat.
Genauso wird noch heute im Judentum das Passa gefeiert. (Nur das Schlachten der Opfertiere entfällt, da die Römer den letzten Tempel zerstört haben.) Und genauso feiert es der Jude Jesus mit den jüdischen Jüngern. Er will das Passamahl halten, so heißt es. Und so tut er es auch. Sie sind um einen Tisch versammelt, essen ungesäuertes Brot, trinken gemeinsam Wein, singen Lobgesänge. Kein Wort davon, dass das Passa abgeschafft würde oder durch anderes ersetzt. So ist auch anzunehmen, dass das Haus zuvor von allem Gesäuerten gereinigt und Teller und Becher mit heißem Wasser gesäubert worden sind. Allein zwei Bestandteile des Mahles erfahren durch Jesus eine neue, eine zusätzliche Bedeutung.
Erinnern die dünnen Fladenbrote daran, dass die Israeliten so rasch aus Ägypten aufbrachen, dass zum Säuern und Aufgehen des Brotteiges keine Zeit mehr blieb, so nennt Jesus sie nun seinen "Leib". Und der Becher Wein, der Gottes Bundestreue und die Fülle seines Heils schmecken lässt, steht neu für das "Blut des Bundes", das für viele vergossen wird.
Erst in der weiteren Entwicklung hat sich Abendmahl vom Passamahl gelöst. Lamm, Kräuter, Mus gehören nun nicht mehr dazu, wohl aber der mit Wein gefüllte, silberne Kelch und ein Teller mit ungesäuerten Broten. Wir nennen sie je nach Konfession Hostien oder Oblaten.
Vor dem Hintergrund des Passafestes sind Brot und Kelch so zu verstehen, dass sie vor allem erinnern sollen. Wir Christen und Christinnen vergegenwärtigen uns dabei weniger den Aufbruch aus Ägypten; wir vergegenwärtigen uns die letzten Tage in Jerusalem, sitzen gleichsam mit den Jüngern an einem Tisch, erleben mit, wie Jesus seinen Leib dahingibt und sein unschuldiges Blut vergießt. Wir stehen in einer Gemeinschaft mit ihm. Sein Selbstopfer hat alle anderen Opfer aufgehoben und überflüssig gemacht. Es überwiegt die Sünden der Menschen, stellt das gestörte Verhältnis zu Gott wieder her. Allerdings heißt es einschränkend, dass die Wegnahme der Sünden "für viele" gilt, mithin nicht für alle. Sünden können nur dort gesühnt und zugedeckt werden, wo sie bereut werden und um Vergebung gebeten wird. So gehört zu einer christlichen Abendmahlsfeier auch das ehrliche Bekennen eigener Schuld dazu, indem wir sagen: "Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund."
Wir erfahren, dass Jesus das Abendmahl mit den Zwölfen nimmt. Judas gehört dazu. Das bedeutet, dass sein Heilsangebot grundsätzlich allen gilt. Darum heißt es ja: Trinket alle daraus! Es erfüllt sich aber nur dort, wo es angenommen wird. Da Judas der Verrat bald schon reut (Matthäus 27,3), dürfen wir allerdings auch für ihn hoffen - so wie für uns selbst.
Damit ist auch klar, dass Brot und Wein nicht durch sich selbst wirken. Die Elemente werden weder verwandelt, noch besonders aufgeladen. Gerade die Erinnerung an das vergleichbare Passamahl sollte vor magischem Denken bewahren. Heilswirksam werden Brot und Wein nur im Wechselspiel mit einem Menschen, der durch das Essen des Brotes und das Trinken des Kelches das Geschehen von Karfreitag gläubig auf sich bezieht und sagen kann: "Das tat er auch für mich!" So gehören Lobgesänge zur Feier des Abendmahls dazu, so wie sie zur Feier des Passafestes dazu gehören: "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit!" (Psalm 103,2-4)
Diese Worte aus Psalm 103 klingen sehr passend. Dazu gibt es eine Fülle alter und neuer Dankgebete, die den himmlischen Vater dafür preisen, dass er Jesus Christus zu uns gesandt hat. (Man nennt sie Präfationsgebete.) Dieser Aspekt des Dankens ist so wichtig, dass das Abendmahl seit dem frühen Christentum bis heute auch "Eucharistie" (εὐχαριστία) genannt wird - was schlicht "Danksagung" bedeutet.
Zuletzt lässt der Abendmahlsbericht des Matthäusevangeliums noch eine weitere Dimension erkennen. Das Abendmahl dient nicht allein der Erinnerung und Vergegenwärtigung des Heils durch Christus, sondern gibt auch einen Vorgeschmack auf die Vollendung. Es kommt der Tag, sagt Jesus, "da ich's neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich". Darum steht über dem Abendmahl wohl das Kreuz des Karfreitags, aber es weist bereits darüber hinaus auf die Auferweckung und das ewige Leben. Also ist auch daran zu denken, wenn wir wieder miteinander Abendmahl feiern dürfen: Der Auferstandene selbst ist in Brot und Wein jetzt bei uns! Er ist wirklich gegenwärtig: "Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen." (Matthäus 18,20)
Durch sein Ostern geht das Morgenrot von Gottes Reich bereits auch über uns auf. Hoffen und beten wir gemeinsam, dass wir das bald wieder "in echt" erleben werden! Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Die Bibel sagt es treffender und besser: "Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht." (Hebräer 11,1)
Amen.



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